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Warum die Unfallzahlen steigen: Die gefährlichsten Straßen in Deutschland

Warum die Unfallzahlen steigen: Die gefährlichsten Straßen in Deutschland

Tote und Verletzte auf Deutschlands Straßen! Wo ist es am gefährlichsten, warum sterben aktuell wieder mehr Leute im Straßenverkehr und was können wir dagegen tun? Antworten bekommst du hier in diesem Blogbeitrag.

2022 wurden insgesamt 12 % mehr Menschen im Straßenverkehr verletzt und 9 Prozent mehr sind gestorben als 2021. Die Zahl der getöteten Fußgänger stieg um 7 %, der Motorradfahrer um 4 % und der Pedelec-Fahrer um über 60 %. Auch die Unfälle unter Alkoholeinfluss sind um 19 % auf insgesamt 38771 gestiegen.

Der Grund für diesen plötzlichen Anstieg ist jedoch ziemlich offensichtlich. Das im Vergleich zum Vorjahr höhere Verkehrsaufkommen sorgt natürlich auch zu mehr Unfällen, man kann es auch als Pandemie-Effekt bezeichnen. Im direkten Vergleich zu 2019, also vor der Coronapandemie gab es 2022 nämlich rund 6 % weniger Verunglückte und 9 % weniger Getötete. Trotzdem bieten die aktuell angestiegenen Zahlen Gelegenheit, sich zu fragen, warum trotz aller Technologiefortschritte und Gesetzesänderungen immer noch so viele Menschen auf Deutschlands Straßen sterben und was wir dagegen unternehmen können.

Innerstädtische Straßen sind ein häufiger Schauplatz von Verkehrsunfällen. Besonders gefährlich ist zum Beispiel das Frankfurter Tor in Friedrichshain in Berlin mit 348 gemeldeten Unfällen zwischen 2019 und 2021. Bundesweit sind im letzten Jahr die meisten Verkehrsunfälle mit Personenschäden, etwa 70 %, innerorts passiert. Aber auch das allgemeine Unfallrisiko, also reine Sachbeschädigungen mitberücksichtigt, ist mit rund 73 % auf innerstädtischen Straßen erhöht, insbesondere an stark frequentierten Kreuzungen und Fußgängerüberwegen. Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge sind hier oft eng beieinander unterwegs, was die Wahrscheinlichkeit von Zusammenstößen erhöht. Ablenkung beim Fahren oder Gehen durch Smartphones und andere elektronische Geräte kann zusätzlich zu gefährlichen Situationen führen.

Auf Landstraßen ist das Unfallrisiko für tödliche Unfälle besonders hoch. Sie sind oft kurvig und schmal und besitzen keine bauliche Fahrbahntrennung oder Leitplanken. Die berühmt-berüchtigte Bundesstraße B6 ist ein Beispiel für eine unfallträchtige Landstraße, die im Juni schon 2 Motorradfahrern das Leben kostete. Auf Landstraßen ereigneten sich 2022 zwar nur rund 24 % aller Unfälle mit Personenschäden, jedoch 57 % aller Unfälle mit tödlichem Ausgang. Die Chance, bei einem Unfall tödlich zu verunglücken, ist nirgends so hoch wie auf Landstraßen, was die Gefährlichkeit dieser Straßenart verdeutlicht. Die schmalen Straßen und Kurven erfordern hohe Aufmerksamkeit und gute Fahrtechnik. Überholmanöver und Geschwindigkeitsüberschreitungen können hier schnell zu tragischen Unfällen führen. Besonders bei schlechten Witterungsbedingungen steigt die Gefahr natürlich zusätzlich.

Obwohl Autobahnen als vergleichsweise sicherer Verkehrsweg gelten, sind die Geschwindigkeiten hier deutlich höher. Die A2 ist eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands und hat zuletzt am 6. Juni bei Theeßen und am 18. Juni bei Bottrop 2 Leben gefordert. Aber nur etwa 6 % aller Verkehrsunfälle mit Personenschäden ereigneten sich im letzten Jahr auf Autobahnen. Die Chance, bei einem Unfall auf der Autobahn tödlich zu verunglücken, ist zudem vergleichsweise geringer als auf Landstraßen. 2022 starben „nur“ 11 % aller im Straßenverkehr getöteten auf der Autobahn. Dennoch sollten wir uns bewusst sein, dass vor allem das hohe Tempo auch hier das Risiko für schwerwiegende Unfälle erhöht. Ungenügender Abstand und eine nicht angepasste Geschwindigkeit sind eine der Hauptunfallursachen. Zudem stellen Baustellen und dichter Verkehr weitere Risikofaktoren dar.

Im Laufe der Jahre haben wichtige Maßnahmen zur Förderung der Verkehrssicherheit in Deutschland eine signifikante Reduktion der Verkehrstoten bewirkt. So wurde im Jahr 1972 das Tempolimit von 100 km/h auf Landstraßen eingeführt. Auch dadurch konnte die Zahl der Verkehrstoten in den kommenden 2 Jahren um fast 4000 auf damals 16670 gesenkt werden. 1976, nur 4 Jahre später, wurde die Gurtpflicht für Fahrer und Beifahrer in Deutschland eingeführt. Diese Maßnahme hat ebenfalls zu einer erheblichen Verringerung der tödlichen Verkehrsunfälle beigetragen. Im Jahr 2001 wurde schließlich die Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 herabgesetzt, um Trunkenheitsfahrten weiter zu reduzieren. Dass es über ein Kalenderjahr gesehen, aber nach wie vor ganz bestimmte Tage gibt, an denen Alkoholfahrten häufiger auftreten als an anderen, erfährst du in diesem Video: Vorsicht Feiertage: Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss

Um die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern, sollten wir auch zukünftig innovative Maßnahmen in Betracht ziehen. Viele Studien haben gezeigt, dass die Einführung eines generellen Tempolimits auf der Autobahn zu einer Verringerung der Unfälle und der Schwere der Verletzungen führen kann. Der Ausbau von Radwegen und Tempo 30 in Innenstädten würde Schätzungen zufolge mindestens ein Drittel der schweren Unfälle innerorts verhindern. Auch die Kombination von Assistenzsystemen wie Abstandsregeltempomat sowie Spurhalte- und Notbremsassistent haben bereits dazu beigetragen, die Anzahl der Verkehrstoten insgesamt zu senken. Je mehr wir uns in Richtung autonomes Fahren entwickeln, desto sicherer werden vermutlich auch die Straßen. Der aktuelle Corona-Rebound soll uns also nicht entmutigen, die Vision zero bis 2050 steht unverändert. 

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