THC Werte erklärt

THC Werte erklärt

Nach dem Urintest wurde bei dir im Krankenhaus oder auf der Polizeiwache Blut entnommen und aufgrund der gemessenen Werte der sog. Cannabinoiden, bist du letztendlich heute hier und liest diesen Blogbeitrag. Doch was bedeuten diese Werte genau, muss ich das für meine MPU wissen und was kann der Gutachter anhand dieser Werte für Schlüsse ziehen?

In diesem Blogbeitrag geht es um Cannabis, genauer gesagt um den aktiven Wirkstoff der Cannabis-Pflanze und zwei seiner Abbauprodukte. THC oder auch Tetrahydrocannabinol entsteht bei der Verbrennung von Cannabisblüten und wird vom Körper schnell aufgenommen, da es stark fettlöslich ist. Deshalb lässt der Wirkeintritt auch nicht lange auf sich warten und führt in der ersten Stunde zu THC-Werten bis in den dreistelligen Bereich. Der Wert in deiner Blutprobe dürfte sich aber wahrscheinlich irgendwo zwischen einem und 20 ng/ml befinden. THC ist der sog. aktive Wirkstoff, der für den Rausch ursächlich ist und dich dadurch auch fahruntüchtig macht. Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat diesbezüglich im März 2019 nochmals klargestellt, dass ab einem ng/ml von einer Beeinträchtigung am Steuer zumindest nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Ab diesem Wert befindest du dich im Ordnungswidrigkeitentatbestand nach § 24a StVG, weil du unter Einfluss von berauschenden Mitteln ein Fahrzeug geführt hast. Sollten Ausfallerscheinungen sehr hohe Werte oder eine direkte Gefährdung im Straßenverkehr vorgelegen haben, sind wir wie bei Alkohol im Straftatbestand nach § 316 oder 315c StGB. Warum der Nachweis von THC oder seinen Abbauprodukten im Gegensatz zu anderen Drogen nicht immer sofort zum Entzug der Fahrerlaubnis und einer MPU führt, erfährst du unter anderem in diesem Video: Kontrolliert mit THC im Blut. MPU?

Von der sog. THC-Carbonsäure du sicher schon mal gehört. Sie ist einer der Metaboliten bzw. Abbauprodukte von THC und für den Körper in erster Linie nicht schädlich und auch nicht psychoaktiv. Die Höhe des Carbonsäurewertes im Blut lässt einen Blick in die Vergangenheit zu, durch den man schnell erkennt, wie intensiv dein Konsum in den letzten Wochen gewesen sein muss. Sie baut sich nämlich wesentlich langsamer ab als aktives THC und erhöht sich damit jedes Mal bei erneutem Konsum, wenn die Zeit dazwischen nicht lang genug war. Ergebnisse einer oft zitierten Studie von Prof. Daldrup legen nahe, dass bei einer unangekündigten Blutentnahme ein regelmäßiger Konsum ab einem Wert von 150 anzunehmen ist. Das ist deshalb von großer Bedeutung, da ein regelmäßiger Konsum die Fahreignung grundsätzlich ausschließt, wodurch ein Entzug der Fahrerlaubnis eine direkte Folge sein kann. Hier sind manche Führerscheinstellen und Gutachter übrigens sehr streng und verwenden teilweise Werte von 75-100 bereits als Rechtfertigung, um von einem regelmäßigen Konsum auszugehen.

Zu guter Letzt reden wir noch über das etwas stiefmütterlich behandelte Hydroxy-THC, was im Grunde eine Art Counterpart zur Carbonsäure einnimmt, jedoch wie das eigentliche THC psychoaktiv ist und somit als aktiver Metabolit bezeichnet wird. Gibt die Carbonsäure Aufschluss über einen länger zurückliegenden Zeitraum, kann man am Hydroxy-THC erkennen, wie lange der letzte Konsum ungefähr her gewesen sein muss. Hohe Werte weisen dabei auf einen nur wenige Stunden zurückliegenden Konsum hin. Welche Probleme das bei deinen Aussagen zum letzten Konsum vor dem Delikt ergeben kann, müssen wir dir glaube ich, nicht näher erklären.

Bei allen bisher genannten THC-Werten existieren leider individuell sehr stark schwankende Abbauraten, die zudem im Gegensatz zu Alkohol nicht linear verlaufen. Außerdem gibt es Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Cannabinoide in Abhängigkeit von Dosis und Häufigkeit des Konsums unterschiedlich lange nachweisbar sind. Das dieser Sachverhalt zu ungewollten Widersprüchen in MPUs führt, ist leider häufig die Folge einer fehlenden Vorbereitung. Wie es dir auch auf andere Art und Weise sehr leicht passieren kann, durch Widersprüche Probleme in deiner MPU zu bekommen, erfährst du in diesem Video: Die H0. Glaubhaftigkeit auf dem Prüfstan